Nackenfaltenmessung – Mein persönlicher Erfahrungsbericht

Nackenfaltenmessung

Eigentlich hätte ich die Nackenfaltenmessung gar nicht machen müssen, denn ich bin unter 35 und auch sonst habe ich keine Risiken. Aber mein Mann und ich haben uns – nach langen Hin und Her – dazu entschieden. Dass uns diese Entscheidung die bisher fünf schlimmsten Tage beschweren würde, konnten wir vorher nicht wissen.

Nackenfaltenmessung – Ein Muss?

Fangen wir am Anfang an: meine Frauenärztin fragte mich, ob ich eine Nackenfaltenmessung machen lassen möchte. Da ich mich vorher bereits informiert hatte und die Sache mit meinem Mann besprochen hatte, bejagte ich ihre Frage. Sie sagte mir, dass sie selbst die Nackenfaltenmessung nicht durchführen würde, weil sie nicht genügend Erfahrung in diesem Bereich hätte und verwies mich an eine Kollegin, die ebenfalls in München ist.

Ich machte sogleich einen Termin aus, denn laut der Aussage meiner Frauenärztin hat man für die Nackenfaltenmessung nur ein kleines Zeitfenster in der Schwangerschaft, nämlich von der 10. SSW bis zur 14. SSW. Den Termin hatte ich in der 13. SSW, wobei sich später rausstellte, dass ich da schon in der 14. SSW war.

Ich weiß nicht warum, aber ich recherchierte noch mal intensiver über die Nackenfaltenmessung, denn ich wollte wissen, was da genau passiert. Zuerst las ich nach, was untersucht werden würde. Und erfuhr, das die Ärzte das einen Ultraschall machen und neben der Nackenfalte, auch alles andere anschauen würden. Also Arme, Beine, das Nasenbein und was man halt sonst noch erkennen kann. Aber dann las ich, dass es in 20% der Untersuchungen zu einem falschen Ergebnis kommen würde. Also das bedeutet: bei 20% der Untersuchungen würde der Arzt eine Trisomie-Wahrscheinlichkeit feststellen, obwohl das Kind total gesund ist. Ich wurde nervös und begann, alle gängigen Foren zu durchforsten. Ein großer Fehler!

Bei Fragen immer einen Experten zu Rate ziehen

Ich konnte gar nicht mehr aufhören, alles Mögliche über die Nackenfaltenmessung zu lesen und es wurde der Horror. Mein Mann stoppte mich und sagte, ich sollte bitte meine Ärztin fragen, ob diese 20%-Sache wirklich stimmen würde. Und das tat ich. Sie beruhigte mich und sagte, dass dieser Prozentsatz dadurch zustande käme, dass viele Ärzte diese Untersuchung machen würden, obwohl sie wenig Erfahrung damit hätten. Wenn man die Nackenfaltenmessung bei einem Experten machen würde, läge der Prozentsatz bei etwa einem Prozent. Das beruhigte mich und ich entschloss mich, die Untersuchung machen zu lassen.

Die Nervosität steigt

Die Tage bis zur Untersuchung vergingen zwar schnell, aber ich hatte Angst vor dem Ergebnis. Ich war mir sicher, die Ärztin würde etwas finden. Mein Mann beruhigte mich und sagte immer, es würde nichts sein. Aber mein Bauchgefühl sagte mir etwas anderes.

In der Praxis angekommen bekam ich erst einmal einen ganzen Schwung Unterlagen, die ich mir durchlesen musste. Ganz ehrlich? Ich war so nervös, dass ich heute gar nicht mehr weiß, was da drin stand. Es war unglaublich heiß an diesem Tag, ich schwitze also wegen der Hitze und vor Nervosität. Als wir endlich dran kamen, stellte sich die Ärztin vor und checkte meinen Mutterpass. Dann ging es auch schon auf die Liege zur Untersuchung. Geschallt wurde über den Bauch, denn ich war zum Zeitpunkt der Nackenfaltenmessung ja schon in der 14. SSW.

Die Ärztin war sehr nett und schallte sehr ausführlich. Eine Arzthelferin saß mit im Zimmer und notierte, was ihr die Ärztin diktierte. Mein Mann war ganz hin und weg von den Bildern, denn er sah zum ersten mal unser Kind. Die Ärztin sagte uns, dass alles ganz normal ist, die Arme, die Beine, das Gehirn, das Nasenbein, alles sei zeitgerecht entwickelt. Mein Mann und ich freuten uns schon. Doch auf einmal sagte sie den einen Satz, der uns die nächsten Tage verfolgen würde:

Die Nackenfalte ist auffällig.

Ein Schlag ins Gesicht

NackenfaltenmessungMein Mann wurde ganz weiß und ich schaltete sofort in meinen „Ohne-Emotionen-Modus“. Das tue ich immer, wenn ich mich davor schützen möchte, von meinen Emotionen übermannt zu werden. Ich weiß nicht warum das so ist, aber es hilft mir, die richtigen Fragen zu stellen und Entscheidungen zu treffen. Die Ärztin wollte schon anfangen uns alles zu erklären, aber ich unterbrach sie und sage ihr, dass ich ich erstmal wieder hinsetzen und etwas trinken möchte.

Als ich dann wieder saß, etwas Wasser bekam und mich sortieren konnte, begann sie zu erzählen. Die Nackenfalte wies einen Wert von 3,5 auf, der Normbereich geht bin 2,5. Wir lagen also in einem Bereich, der leicht erhöht ist. Durch meinen Job und meine Recherchen kannte ich mich ganz gut mit den Werten aus, aber all das Wissen brachte mir jetzt gar nichts.

Die Ärztin sagte, dass 90% der Kinder, bei denen eine leicht erhöhte Nackenfaltentransparenz gemessen wurde, „pumperlgsund“ auf die Welt kommen würden. Das beruhigte uns in dem Moment überhaupt nicht. Zumal uns gesagt wurde, dass unser Risiko (gemessen an der Nackenfaltentransparenz und weiteren Werten) für ein Kind mit Down-Syndrom bei 1:21 liegen würde. Das muss man erst einmal verkraften.

Sie empfahl uns den Harmony-Test machen zu lassen, denn dieser Bluttest könne eine 99%ige Sicherheit geben, ob unser Kind wirklich Trisomie 21 oder eine andere Trisomie haben würde. Wir bejahten diesen Test. Sie hat uns dann noch viele weitere Sachen erzählt und wir haben viele weitere Fragen gestellt. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich mich daran gar nicht mehr erinnern konnte, denn es war alles wie in einer Seifenblase.

Fünf Tage Hölle

Zu Hause angekommen, wussten wir beide erst einmal gar nicht, was wir sagen sollten. Wir hatten uns noch nie mit dem Gedanken beschäftigt, ein behindertes Kind zu bekommen. Und ich muss ganz klar sagen: wir waren uns zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob wir ein Kind mit Down-Syndrom großziehen könnten. Einige Leserinnen verurteilen mich jetzt bestimmt für diese Entscheidung, aber es ist die Wahrheit. Wir reden hier nicht von einer Abtreibung! Es ging uns nur um die Frage, ob wir ein behindertes Kind akzeptieren könnten.

Natürlich ging es uns schlecht, aber wir versuchten uns an die Aussage der Ärztin zu klammern:

90% der Kinder mit einer erhöhten Nackenfaltentransparenz kommen gesund auf die Welt.

Die Tage verstrichen und wir redeten viel über die Möglichkeiten. Unsere Einstellung änderte sich von Tag zu Tag, bis wir irgendwann sagten: wenn wir ein Kind mit Down-Syndrom bekommen, würden wir es genauso lieben können, wie ein gesundes Kind. Dieser Prozess hat uns viel Kraft und viel Reden gekostet, aber wir waren mit unserer Entscheidung glücklich.

Das Ergebnis der Nackenfaltenmessung

Am Dienstagabend klingelte das Telefon und ich wusste sofort, es ist die Ärztin mit dem Ergebnis. Sie war so nett und rief uns an, obwohl sie gerade auf einer Fortbildung war. Kurz und knapp:

Unser Risiko wurde deutlich geringer, nämlich 1:121.

Wir waren unglaublich erleichtert. Die Ärztin riet uns dennoch zur Fruchtwasseruntersuchung um weitere Chromosomenanomalien auszuschließen. Ob wir die Fruchtwasseruntersuchung gemacht haben, könnt ihr in meinem nächsten Blogpost lesen.

Mein Fazit zur Nackenfaltenmessung

Es waren sehr schwere Tage zwischen der ersten Untersuchung und dem finalen Ergebnis. Ich habe lange überlegt, ob ich – sollte ich noch mal schwanger werden – die Nackenfaltenmessung erneut machen würde. Und für mich kann ich sagen: ja, das würde ich.

Für alle Frauen und Paare, die sich nicht sicher sind: es kommt immer darauf an, was ihr tun würdet wenn… Diese Frage sollte man im Vorfeld klären, dann kann man sich für oder gegen die Nackenfaltenmessung entscheiden.

Zur Nackenfaltenmessung war ich übrigens hier: http://www.praenatal-frauen.de

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