Schwanger sein finde ich doof

Ich verfolge die ganzen super-glücklichen Schwangeren auf Instagram und Facebook. Dabei frage ich jedes Mal, warum die so happy sind? Ich bin auch schwanger, aktuell in der 14. Schwangerschaftswoche und ich finde schwanger sein ziemlich doof. Ganz ehrlich, ich finde aktuell noch nichts tolles daran, schwanger zu sein. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich auf unser Kind und kann es kaum erwarten, dass es endlich da ist, aber am schwanger sein, kann ich – bisher – nichts Tolles finden.

Verhaltene Freude

Ich frage mich sehr oft, warum ich es nicht so toll finde, schwanger zu sein. Und ich glaube, ich habe eine Erklärung gefunden. Ich hatte im März 2016 eine Ausschabung aufgrund eines Windei. Ein Jahr lang haben wir es versucht und es wollte einfach nicht klappen. Ich habe Ovulationstests gemacht, ich habe Himbeerblättertee und Frauenmanteltee getrunken, sogar diese Globulis habe ich genommen. Es war ein hartes Jahr, denn ich fragte mich irgendwann einmal:

Hatte ich nur einen einzigen Versuch? Konnte ich nur einmal schwanger werden?

Als ich dann tatsächlich am 19.04.2017 einen postiven Schwangerschaftste in der Hand hielt, war die Freude im ersten Moment riesig. Aber schon nach wenigen Stunden kamen die Ängste. Ich hatte zuerst Angst, ich könnte eine Eileiterschwangerschaft haben, dann hatte ich Angst, es könnte in Windei sein. Und es ging weiter: Angst vor Blutungen, Angst, dass das Herz nicht schlagen würde und jetzt habe ich gerade Angst, dass die Ärztin bei der heutigen Nackenfaltenmessung etwas finden wird.

Als ich das erste Mal unser Kind im Ultraschall gesehen habe, dachte ich nur „Ok, alles dran, Herz schlägt, passt“. Ich lese so oft, dass Frauen vor Freude weinen, wenn sie ihren „Krümel“ zum ersten Mal gesehen haben, ich nicht. Und apropos „Krümel“. Wir haben auch keinen Spitznamen für unser Kind, es heißt einfach „Nachwuchs“, ab und zu nenne ich es auch gern Karl-Heinz.

Und keiner traut sich etwas zu sagen

All‘ das denke und fühle ich keinesfalls, weil ich mein Kind nicht lieben werde oder weil ich mich nicht freuen würde. Nein, ich habe ganz einfach Angst. Ich weiß genau, dass immer etwas passieren kann. Ganz egal, wie weit man in der Schwangerschaft ist. Und das macht mir Angst. Zum Glück bekomme ich bei meiner Frauenärztin bei jedem Besuch in Ultraschallbild, sonst würde ich druchdrehen.

Ich glaube, es geht vielen Frauen ähnlich wie mir. Aber man traut sich gar nicht, zu sagen, dass man nicht vor Freude weint oder das man sein Kind nicht „Krümel“ nennt.

Zum Glück bin ich von den meisten Schwangerschaftsbeschwerden verschont geblieben, denn ich habe mich nie übergeben, übel war mir nur zwei Mal und ich litt nur kurz unter Verstopfung. Ich habe (noch) kein Sodbrennen und auch sonst „leide“ ich nicht. Ich bin nur sehr müde, meine Brüste sind explodiert und die wachsende Gebärmutter drückt mir auf die Blase.

Am liebsten wäre es mir, mein Kind wäre schon da. Oder ich hätte einen Sensor, der mir täglich mehrfach bestätigt, dass es dem Kind gut geht. Aber das geht nunmal nicht. Aber eines habe ich mir geschworen, ich werde ab sofort aufhören „alles schön zu reden“. Ich finde schwanger sein doof und das hat seine Gründe. Und ich finde, jede Frau sollte das sagen dürfen, ganz egal, aus welchem Grund sie nicht gerne schwanger ist.

2 Kommentare bei „Schwanger sein finde ich doof“

  1. Ich will dir ja keine Angst machen, vor noch mehr Angst.

    Aber es ist nicht vorbei, mit der Angst, wenn das Kind da ist.

    Denn: „Ich weiß genau, dass immer etwas passieren kann“ gilt dann leider immer noch. Ich habe das mal so beschrieben:
    „Es ist furchteinflößend. Mir war nie bewusst, wie viel es wert ist, ohne Furcht zu leben. Ich hatte nie Angst vor Höhen, vor Tiefen, vor Prüfungen, vor Tieren. Bis jetzt. Furcht ist mein neuer Begleiter. Offene Fenster im 6. Stock, zu schnelle Autos in der 30 Zone, offene Tore in der Kita.“ (https://meinglueck.wordpress.com/2017/06/12/wie-es-ist/)

    Es ist einfach so. Mit den Kindern kommt die Angst. Und die geht nicht mehr weg.

    Klar ist es noch etwas anderes, wenn das Kind noch in deinem Bauch ist und du nicht sehen kannst, dass es ihm gut geht. Aber soviel anders ist es eben doch nicht. Denn auch später wirst du dein Kind nicht immer sehen können.

    Mein Tipp wäre: Akzeptiere die Angst. Sie gehört jetzt zu dir und ist ein Teil vom Muttersein. Wenn sie zu schlimm wird, helfen Statistiken (Hey, du bist über die ersten 12 Wochen hinaus!) und ansonsten hilft mir immer der Gedanke „Es kann viel Schlimmes passieren. Aber in diesem Moment ist es gerade nicht passiert. Darüber freue ich mich“.

    Vielleicht kannst du dann bewusst die schönen Seiten genießen.

    1. Liebe Anna,
      ich habe auch schon daran gedacht, dass es – wenn das Kind da ist – mit der Angst nicht vorbei ist.
      Aber ich werde Deinen Tipp beherzigen und bewusst die schönen Seiten genießen 🙂
      Liebe Grüße,
      Julia

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