Toxoplasmose – Die unterschätze Gefahr

Toxoplasmose

In der 10. SSW hatte ich meine erste große Untersuchung bei meiner Frauenärztin. Dabei erwähnte sie auch Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Ich wusste davon und mir war bewusst, wie man sich infizieren kann. Aber dass die Gefahr einer Toxoplasmose-Infektion so groß ist, das wusste ich nicht.

Toxoplasmose – Was ist das überhaupt?

Vor meiner ausführlichen Recherche wusste ich nur, dass man sich mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft irgendwie über Katzen und deren Kot, rohes Fleisch oder ungewaschenes Gemüse infizieren kann. Aber was genau das, wusste ich nicht.

Auf eltern.de habe ich nachgelesen: Toxoplasmose ist eine Infektion mit Parasiten. Dieser Parasit wird „Toxoplasma gondii“ genannt und gehört zu den häufigsten Infektionen. Laut eltern.de hatte bereits ein Drittel der Menschheit Kontakt mit Toxoplasmose.

Jetzt habe ich mich natürlich gefragt, wo diese Toxoplasmen leben? Auch hier konnte mir eltern.de weiterhelfen: sie leben in Säugetieren, mit Vorliebe in Schafen, Schweinen, Rindern und Ratten, sowie Mäusen.

Aber wie können sich die fiesen Dinger vermehren? Dazu brauchen sie eine Katze, denn sie hilft den Toxoplasmen sich zu vermehren. Aber wie geht das? Die Katze frisst zum Beispiel eine infizierte Maus oder Ratte. Jetzt bilden sich im Darm der Katze die Oozysten, also die Eier der Toxoplasmen, die dann von der Katze ausgeschieden werden.

Etwa zwei bis vier Tage später sind diese Eier dann gefährlich. In der Erde können die Toxoplasmose-Errerger dann sogar bis zu 18 Monate lang überleben. Aber wie verbreitet sich das jetzt?

Klar, wer eine freilaufende Katze hat, der infiziert sich über deren Kot. Wind und Wasser sind in der Natur dafür verantwortlich, dass sich die Toxoplasmose-Bakterien überall verteilen.

Wie kann man sich mit Toxoplasmose anstecken?

Nehmen wir mal an, eine Katze frisst eine infizierte Maus. Dann kackt die Katze auf ein Feld eines Bauern. Der infizierte Kot verteilt sich durch den nächsten Regen im Erdreich. Das Gras, das auf der Wiese wächst, verwendet der Bauer um seine Kühe zu füttern. So infiziert sich die Kuh, deren Muskelfleisch wir dann halb roh als Steak essen.

Das gleiche Prinzip gilt auch für Obst und Gemüse. Wind und Regen verteilen die Toxoplasmose-Erreger über das Feld und wir essen dann das Obst und Gemüse. Das heißt aber nicht, dass die Erreger im Gemüse oder Obst sind, sie sind auf der Schale!

Eine weitere Gefahrenquelle ist die Gartenarbeit. Freilaufende Katzen kacken in Deinen Garten und Du wurschtelst dann in der Erde rum. Eine kurze Unachtsamkeit mit erdigen Fingern und zack, hat man sich mit Toxoplasmose infiziert.

Wie erkenne ich eine Toxoplasmose-Infektion?

Zu allererst: für nicht-schwangere Menschen ist das alles total ungefährlich. Da passiert gar nix. Aber wenn Du schwanger bist und Dich mit Toxoplasmose infiziert hast, dann ist das echt scheiße. Dabei ist die Infektion nicht für Dich, sondern für Dein ungeborenes Kind gefährlich.

Das Problem ist allerdings, dass eine Toxoplasmose-Infektion meistens keine Symptome hat. Ganz selten fühlst Du Dich krank, als hättest Du eine Grippe. Allerdings treten diese Symptome erst Wochen später auf, da ist es oft schon zu spät für das Baby.

Was passiert, wenn das nicht behandelt wird?

Hast Du Dich mit Toxoplasmose infiziert, muss schnell gehandelt werden. Dazu bekommst Du von Deinem Arzt ein spezielles Antibiotikum und Dein Baby wird engmaschiger überwacht. Ist Dein Baby dennoch infiziert, kann es zu schweren Entwicklungsstörungen, Früh- oder Totgeburten kommen. Oftmals kommt das Baby scheinbar gesund zur Welt und erst Monate oder Jahre später wird festgestellt, dass das Kind doch Schäden davon getragen hat. Das können zum Beispiel Hör- oder Sehstörungen sein.

Wer sich mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft infiziert, wird von seinem Arzt sofort gemeldet. Das Robert-Koch-Institut hat im Jahr 2015 14 Meldungen erhalten (es gab etwa 700.000 Geburten). Das Problem an dieser Zahl: man muss eine Toxoplasmose-Infektion schon bemerken, damit man sie melden kann.

Ich möchte aber noch sagen, dass es nicht unbedingt sein muss, dass sich Dein Baby infiziert hat. Auch eine Schädigung bei einer Infektion ist nicht unbedingt möglich.

Wie kann ich feststellen, ob ich eine Toxoplasmose-Infektion habe?

Damit der Arzt die Infektion feststellen kann, muss er Dir Blut abnehmen. Meine Ärztin hat mich darüber aufgeklärt. Der Bluttest ist eine IGeL-Leistung und kostet 35 Euro. Mir wird jetzt während der gesamten Schwangerschaft bei jeder Vorsorgeuntersuchung Blut abgenommen und ins Labor geschickt. So gibt es eine engmaschige Kontrolle und im Falle einer Toxoplasmose-Infektion kann ich rechtzeitig behandelt werden.

Mit diesem Bluttest wird übrigens auch festgestellt, ob Du gegen Toxoplasmose immun bist. Wenn bei Dir Antikörper vorhanden sind, kannst Du Dich nicht infizieren.

Die Kosten werden übrigens von der Krankenkasse übernommen, wenn ein konkreter Verdacht besteht.

Wie kann ich micht schützen?

Natürlich möchte ich erst gar nicht, dass ich mich infiziere. Daher habe ich mich sehr ausführlich mit den Infektionsquellen beschäftigt und wie man sie umgehen kann.

Für Fleisch gilt: immer gut durchbraten, d. h. für mindestens zwei Minuten muss das Fleisch 67 Grad heiß sein. Erhitzen in der Mikrowelle zählt nicht!

Manche behaupten auch, dass es helfen würde, das Fleisch einzufrieren. Das stimmt so nicht! Es gibt Toxoplasmose-Erreger, die nicht sterben, wenn sie eingefroren werden.

Verbotene Lebensmittel

Fleisch: Salami, roher Schinken (Parma- und Prosciutto-Schinken), Mettwurst, Teewurst, Steak (medium und raw), Roastbeef, Tatar.

Obst & Gemüse: muss vorher immer gründlich gewaschen werden. D.h., mindestens 15 Sekunden mit kaltem Wasser waschen. Es müssen alle Erd-Reste entfernt werden! Am besten lagert man Gemüse und Obst, dass noch Erd-Reste hat, separat. Das gilt besonders für Kartoffeln und Salat. So verhindert man eine Übertragung.

Rohmilch: Rohmilchkäse muss in Deutschland ausgezeichnet sein. Aber ich habe so meine Probleme damit, diese Auszeichnung auf dem Etikett zu finden. Daher habe ich mir angewöhnt, zu prüfen, ob das Milchprodukt pasteurisiert wurde. Beim Pasteurisieren wird die Milch lange genug erhitzt, damit alle Toxoplasmose-Bakterien absterben. Für Salat gilt: Salatblätter so oft waschen, bis das Wasser nicht mehr schmutzig ist. Sicherer sind Salate, die im Gewächshaus angebaut wurden. Aber auch hier gilt: gut waschen, bis das Wasser sauber ist.

Fertig-Salate & Smoothies: am Besten verzichtest Du auch auf frische Smoothies und fertige Salate aus dem Supermarkt. Du weißt nie genau, ob das Zeug anständig gewaschen wurde. Gleiches gilt übrigens auch für die Salate auf einer Grillparty. Nicht-Schwangere denken nicht daran, dass das Gemüse besonders gut gewaschen werden muss. Daher lieber selbst einen Salat mitbringen und eigenes Salatbesteck!!! Sicher ist sicher, sonst könnte sich ein fieses Bakterium auf dem Salatbesteck verstecken.

Was kann ich noch tun?

Mit dem Verzicht und gründlicher Hygiene ist es oft nicht getan, wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, dann beachte diese Punkte:

  • wasche Dir gründlich die Hände, wenn Du rohes Fleisch in der Hand hattest
  • verwende Bretter, Teller, Messer und Besteck keinesfalls weiter, wenn es mit rohem Fleisch in Kontakt war
  • bei der Gartenarbeit immer Handschuhe tragen. Ich trage Einmalhandschuhe unter den Gartenhandschuhen
  • kein Wasser aus Bächen oder Seen trinken (aber wer macht das schon?)
  • nicht im Sandkasten rumhantieren
  • Finger weg von freilaufenden Katzen
  • sprich mit Deinem Tierarzt, wenn Du eine Katze hast oder frag‘ Nicole von revvet.de, sie hat eine Tochter und zwei Katzen im Haushalt

Ich habe mir – ehrlich gesagt – keine großen Gedanken über eine Infektion gemacht, weil ich gar nicht wusste, wie schnell man sich mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft infizieren kann. Im Urlaub habe ich sogar ungewaschene Erdbeeren gegessen. Mir war das echt nicht bewusst.

Ich habe mich deshalb für den Bluttest entschieden, der jetzt alle 4 Wochen durchgeführt wird. Die 35 Euro tun mir – zum Glück – nicht weh. Anders sieht es allerdings aus, wenn man finanziell nicht so sicher ist. In diesem Fall sollte man mit seinem Arzt sprechen, vielleicht macht er eine Ausnahme.

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