Spermiogramm – Ein Erfahrungsbericht

Spermiogramm

Tja, es blieb nicht aus: mein Mann musste zum Spermiogramm. Während ich zum Zyklusmonitoring musste und meinen TSH-Wert prüfen sollte, musste mein Mann sein Sperma testen lassen. Ich dachte zuerst, es wäre ihm sehr unangenehm, denn ich kann mir da echt Besseres vorstellen. Aber: es trug es wie ein Mann 🙂 Natürlich wollte ich mich informieren, wie das abläuft und was da genau untersucht wird.

Warum wird ein Spermiogramm gemacht?

Diese Frage lässt sich recht einfach beantworten: wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt, dann müssen sich beide Partner untersuchen lassen. Bei mir wurde mittels Ultraschall und einem Bluttest geprüft, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Der Ovulationstest war jeden Monat positiv, aber das heißt ja leider noch nicht, dass auch ein Eisprung war. Mein Mann musste deshalb zum Spermiogramm und prüfen lassen, ob seine Spermien in Ordnung sind. Wir hatten ja schon einmal Glück und ich wurde schwanger. Leider war es ein Windei. Das heißt aber noch nicht, dass sein Sperma dafür verantwortlich war.

Was ist ein Spermiogramm?

Bei einem Spermiogramm wird das Ejakulat des Mannes im Labor ausführlich untersucht. Im Prinzip wird damit festgestellt, wie zeugungsfähig der Mann ist. Das mein Mann zeugungsfähig ist, steht außer Frage, aber dennoch wollte meine Frauenärztin wissen, ob sein Sperma auch durchweg gesund ist. (vgl.¹)

Wie läuft eine Spermauntersuchung ab?

Um ein Spermiogramm anfertigen zu können, musste mein Mann natürlich zum Arzt. Er hatte die Wahl zwischen der Untersuchung bei einem Urologen oder der Kinderwunschklinik. Er hatte sich für Kinderwunschklinik entschieden. Das hatte zwei Gründe: 1.) sie war einfach näher an unserem Wohnort und 2.) sollten wir zur Kinderwunschbehanlung müssen, haben die gleich unsere Daten.

Nach einem ersten und sehr kurzen Telefonat hatte er eine Woche später gleich einen Termin bekommen. Er wollte vorher gar nicht genau wissen, was da passiert 🙂

In der Klinik haben sie ihn gefragt, ob er vorher ein Gespräch möchte, das hat er aber verneint. Wer möchte, kann vorher mit einem Arzt über das Spermiogramm sprechen und Fragen stellen. Aber was soll man groß fragen? Die Arzthelferin hat ihm dann nur erklärt, dass er sich vorher die Hände waschen soll. Und dann ging es auch schon los.

In meiner Vorstellung war er dazu in einem Raum mit ausreichend Video-Material. Aber dem war nicht nicht so. Er ging in ein Zimmer und dort lagen lediglich ein Playboy und eine Praline. Ob er die benutzt hat, habe ich gar nicht gefragt 🙂 Letztlich war der Becher voll und alles war gut 🙂

Was muss ich vorher wissen?

Es gibt im Prinzip nicht viel, was man vor einem Spermiogramm beachten muss. Es gibt lediglich eine sog. Karenzzeit, das bedeutet, dass man zwei bis fünf Tage vor der Spermauntersuchung auf Geschlechtsverkehr verzichten muss. Das heißt übrigens auch, dass man auch nicht selbst Hand anlegen darf 🙂 Hält man sich nicht an die Karenzzeit, kann es zu einem falschen Ergebnis kommen (vgl. ²) .

Meine persönliche Meinung dazu: ich finde, man sollte sich vorher genauso verhalten, wie sonst auch. D.h., wer raucht oder abends gerne mal ein Feierabendbier trinkt, der sollte das auch vor der Spermauntersuchung machen. Alle Veränderungen würden auch zu einem falschen Ergebnis führen. Nehmen wir mal an, man raucht eine Schachtel am Tag und trinkt am Wochenende gerne mal das eine oder andere Bier. Wäre das z.B. der Grund für eine schlechte Spermaqualität, würde das niemand merken. Also: der Mann sollte einfach nur die Karenzzeit einhalten und sonst nichts weiter verändern.

Wie wird ein Spermiogramm erstellt?

Die eigentliche Untersuchung findet im Labor statt. Unter einem Mikroskop wird das Sperma untersucht. Dabei verwendet man keine Hilfsmittel, sondern verlässt sich nur auf das menschliche Auge. Ich weiß gar nicht warum das so ist, aber ich vermute, es gibt noch kein Computerprogramm, dass gute und schlechte Spermien unterscheiden kann 🙂

Der Laborant untersucht dann die Farbe, den Geruch und das Volumen des Ejakulats. Ehrlich gesagt, stelle ich mir das echt unschön vor. Stell‘ Dir mal vor, Du sitzt den ganzen Tag vor einem Mikroskop und schaust Dir Sperma von fremden Männern an…? Es gibt sicher schönere Berufe 😀

Das Volumen der Spermaprobe sollte im besten Fall zwischen zwei und sieben Millilitern liegen. Findet man im Labor weniger, kann das bedeuten, dass zu wenig Samenblasensekret vorhanden ist. Normal ist, dass eine Spermaprobe aus etwa 2/3 Samenblasensekret besteht. Laut meiner Internetrecherche kann das auf einen Verschluss der Spritzkanäle hindeuten hindeuten. Was auch immer das bedeutet… (vgl. ²)

Und jetzt wird es lustig: der Mensch im Labor muss auch an der Spermaprobe riechen und sie sollte nach Kastanienblüten riechen. Ehrlich gesagt, finde ich das schon etwas eklig 🙂 Ich persönlich habe ja noch nie an Sperma gerochen, daher kann ich jetzt gar nicht sagen, wie das riecht. Aber stell‘ Dir mal vor, Du hockst da im Labor und hängst Deine Nase in fremdes Sperma 😀

Die Farbe ist klar, sie sollte weißlich-trüb sein. Hat das Sperma eine andere Farbe, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Aber mal ehrlich: sogar Männer sollten freiwillig zum Arzt gehen, wenn das Ejakulat nicht weißlich-trüb ist.

Im Labor wird auch der pH-Wert überprüft. Geundes Sperma hat einen pH-Wert zwischen 7,2, und 7,8 (vgl.³).

Spermiogramm unter dem Mikroskop

Nachdem also Farbe, Volumen, Geruch und pH-Wert geprüft wurden, wird jetzt das Sperma noch unter dem Mikroskop untersucht. Dabei werden die Konzentration, die Beweglichkeit, die Vitalität und die Gesamtzahl der Spermien untersucht.

Ich habe mich gefragt, was man da wohl sieht und ein Foto gefunden:

Spermiogramm

© Marochkina Anastasiia / Shutterstock.com

Man sieht hier recht gut, welche abnormalen Spermien es gibt.

Die Auswertung des Spermiogramm

Zum Schluss werden dann alle Untersuchungen noch ausgewertet. Mich hat natürlich interessiert, wann ein Spermiogramm o.B., also ohne Befund ist. Ich habe hier eine gute Übersicht gefunden ⁴:

  • Spermienkonzentration > 20 Millionen Spermien pro Milliliter
  • Gesamtzahl der Spermien > 40 Millionen Spermien pro Ejakulat
  • Beweglichkeit der Spermien: 25% der Spermien müssen sich schnell vorwärts bewegen und 50% der Spermien müssen sich nach vorne bewegen
  • Anzahl lebender Spermien > 50%
  • Viskosität: Innerhalb einer Stunde muss sich das Ejakulat verflüssigt haben
  • weiße Blutkörperchen < 1 Millionen pro Milliliter
  • Fruchtzucker > 13 µmol pro Ejakulat
  • Zink > 2,4 µmol pro Ejakulat

Uns liegt das Spermiogramm meines Mannes noch nicht vor, aber ich werde den Beitrag updaten, wenn wir die Ergebnisse haben.

Update:

Das Spermiogramm liegt mittlerweile vor. Eines vorweg: ihm wurde eine normale Zeugungsfähigkeit nachgewiesen. Aber die Werte musste ich erst einmal interpretieren und habe dazu das Internet halb leer gelesen. Es muss gesagt werden, dass ein korrektes Spermiogramm nach WHO 2010 erstellt werden muss. Seine Werte sind Folgende (die Werte in Klammer sind die Mindestwerte, die von der WHO vorgegeben werden):

  • Volumen: 3,5 ml (1,5 ml)
  • Konzentration: 38,02 Mio./ml (15 Mio./ml)
  • Gesamtzahl: 133 Mio. (39 Mio.)
  • pH-Wert: 8,3 (7,2)
  • Vitalität: 78% (58%)
  • MAR-Test: 0 (kleiner 50%)
  • Mobilität:
    • Progressiv: 44% (32%)
    • Lokal beweglich: 13,5%
    • Immotil: 42,5%
    • Gesamtmobilität: 57,5% (40%)
  • Morphologie:
    • Normalformen: 7,5% (4%)
    • Kopfdefekte: 78%
    • Mittelstückdefekte: 14%
    • Schwanzdefekte: 8%

Nach Aufbereitung ergaben sich folgende Werte:

  • Volumen: 0,5 ml
  • Konzentration: 42,5 Mio./ml
  • Gesamtzahl: 21,25 Mio.
  • Mobilität:
    • Progressiv: (WHO AB) 68%
    • Lokal beweglich: (WHO C) 15%
    • Immotil: (WHO D) 17%
    • Gesamtmobilität: 83%

Auswertung des Spermiogramm nach WHO

Es hat mich echt eine ziemlich lange Zeit gekostet, bis ich alle Infos zur Auswertung des Spermiogramm zusammen hatte.

Nativ bedeutet, dass das Sperma zuerst normal und dann verflüssigt untersucht wird.

Die Beweglichkeit WHO hat die Beweglichkeit, also die Motilität, der Spermien in verschiedene Kategorien unterteilt:

  • a: schnell progressiv = schnelle Vorwärtsbewegung
  • b: progressiv = langsame, träge Vorwärtsbewegung
  • c: nicht progressiv = nur lokale Beweglichkeit, Kreisschwimmer
  • d: immotil = keine Beweglichkeit

In unserem Fall heißt das, dass 44 % der Spermien sich schnell oder langsam nach vorne bewegen, 42,5% der Spermien sind unbeweglich und 14,3% sind Kreisschwimmer.

Auffällig war bei unserem Spermiogramm lediglich die Morphologie und zwar die Kopfdefekte mit 78%. Es hat mich eine halbe Ewigkeit gekostet herauszufinden, was das bedeutet.

Prof. Dr. med. Frank-Michael schreibt in seinem pdf-Dokument zur Auswertung des Spermiogramms:

„Unter Morphologie der Samenzellen versteht man die Beurteilung der Form und Gestalt von Kopf, Mittelstück und Schwanz. Hierbei können vielfältige Veränderungen auftreten. Wichtig ist aber, dass diese Fehlformen nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen bei der Nachkommenschaft verbunden sind. Ihre Bedeutung ist eher darin zu sehen, dass fehlgeformte Samenzellen die Eizelle entweder nicht erreichen oder sie nicht befruchten können und daher keine Schwangerschaft eintritt. […] Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihrem Laborhandbuch von 1999 keinen direkten cut-off-Wert für die Morphologie mehr. In einer Fußnote wird aber darauf hingewiesen, dass Untersuchungen eine Abnahme der Befruchtungsraten bei weniger als 15% normal geformten Samenzellen zeigten.“

Für uns bedeutet das im Prinzip, dass das Sperma meines Mannes zwar im Normbereich liegt und ihm eine normale Zeugungsfähigkeit nachwiesen wurde, aber dass durch die hohe Anzahl an kopfdefekten Spermien die Wahrscheinlich auf eine Schwangerschaft deutlich reduziert ist.

Schlechtes Spermiogramm = Fehlgeburt?

Ganz klar nein! Ich hatte ein Windei und das hatte nichts mit der Qualität der Spermien zu tun. Man muss immer bedenken, dass ein Spermiogramm nur eine Momentaufnahme ist. Die Werte können ein paar Wochen später ganz anders aussehen. Solange insgesamt eine normale Zeugungsfähigkeit nachgewiesen werden kann, besteht kein erhöhtes Risiko auf eine Fehlgeburt.

Die Spermien, die nur Kreisschwimmer sind oder die eine anormale Form haben, kommen meistens gar nicht erst in die Nähe der Eizelle. Bei uns haben nur 7,5% eine Normalform, aber bei 133 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma bleiben da noch recht viele gesunde Spermien übrig, die nach vorn zur Eizelle schwimmen können 🙂

Fazit

Mein Mann hat berichtet, dass ihm die Spermauntersuchung nicht unangenehm war. Er ist aber auch recht pragmatisch. Ich finde allerdings, wenn beide einen Kinderwunsch haben, dann sollte sich der Mann keinesfalls davor scheuen, ein Spermiogramm anfertigen zu lassen. Frauen müssen ja auch Einiges durchstehen 🙂


Quellen:
¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Spermiogramm (letzter Abruf: 01.04.2017)
² http://www.onmeda.de/behandlung/spermiogramm-ablauf-5828-2.html(letzter Abruf: 01.04.2017)
³ http://www.onmeda.de/behandlung/spermiogramm-makroskopische-untersuchung-5828-3.html (letzter Abruf: 01.04.2017)
⁴ http://www.onmeda.de/behandlung/spermiogramm-auswertung-5828-4.html (letzter Abruf: 01.04.2017)

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