Windei – Ein Erfahrungsbericht

Windei

In der 11. SSW wurde mir ein Windei diagnostiziert. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, denn bis zu diesem Zeitpunkt verlief meine (vermeintliche) Schwangerschaft problemlos. Mir war nur etwas übel und meine Brüste taten weh. Ansonsten fühlte sich alles normal an. Die Diagnose Windei bekam ich im Urlaub, mitten zwischen Meer und Palmen. Natürlich hatte ich erst einmal keine Ahnung, was das bedeutet und las das Internet leer. Kaum zu glauben, wie viele Frauen es mit einer solchen Diagnose gibt. Und keine spricht offen darüber. Nur in Foren, unter Pseudonymen wird darüber gesprochen. Ein Windei ist eine Fehlgeburt und über Fehlgeburten spricht man nicht. Ich finde das falsch! Es ist falsch zu sagen, dass bei einem Windei sowieso kein Embryo da war und ich finde es ebenso falsch, dass Fehlgeburten ein Tabuthema sind.

Diagnose Windei – Ja es tut weh

Es ist jetzt ein Jahr her, dass mir die Diagnose Windei mitgeteilt wurde. Ein Jahr, in dem ich mir fest eingeredet habe, dass alles ja gar kein Problem ist. Aber doch, es ist ein Problem! Es tut weh und es ist eine Fehlgeburt. Was mir geholfen hat, damit umzugehen? Heulen und die Auseinandersetzung mit dem Thema. Beim Heulen kann ich Dir nicht helfen, aber ich kann Dir sagen, dass es mir sehr geholfen, mich mit dem Thema Windei auch medizinisch auseinanderzusetzen. Aber eines ist unersetzbar: reden und zugeben, dass es weh tut!

Was ist eigentlich ein Windei?

Bei einem Windei beginnt die Schwangerschaft ganz normal. Das Ei wird befruchtet und wandert über den Eileiter in die Gebärmutter. Dort nistet es sich auch brav an. Allerdings entwickelt sich sich aus den Zellen kein Embryo. Bei mir war es sogar so, dass sich die Fruchthöhle schön weiterentwickelt hat, aber da war einfach kein Embryo drin. Im Prinzip kann man sagen, dass bei einem Windei die Zelle in einem ganz frühen Stadium stirbt und einfach abgeht. Ich hatte in der 7. SSW auf dem Toilettenpapier einen ganz kleinen Blutfleck. Damals dachte ich mir schon, dass es jetzt wohl mit der Schwangerschaft vorbei ist. Es war auch einfach dumm von mir, bereits in der 5. SSW zur Frauenärztin zu gehen. Da sieht man einfach noch nichts. Deshalb raten ja auch so viele Ärzte erst etwa in der 8. SSW zum Ultraschall zu gehen.

Was sieht man auf dem Ultraschall?

Auf dem Ultraschallbild in der 11. SSW war außer einer schwarzen Fruchthöhle rein gar nichts zu sehen. Liest man dazu im Internet nach, kommt immer mal wieder der Begriff „Eckenhocker“ auf. Ja, das mag es geben, ist aber recht selten. Diagnostiziert der Arzt ein Windei (auch Abortivei genannt), dann ist das auch meistens so. Es gibt Fälle, da wurde der Embryo erst in der 12. SSW entdeckt, aber die sind sehr selten. Zudem sollte man auch nicht alles glauben, was die Damen in den Foren so schreiben. Würde man das nämlich tun, würde die Welt nur aus Wunder-Schwangerschaften bestehen 🙂

Welche Symptome hat ein Windei?

Ich hatte nur Blutungen. Wie schon gesagt, meine Schwangerschaft verlief normal und von einem Windei in meinem Bauch habe ich rein gar nichts gemerkt. Bis ich eines Abends dunkelrote Schmierblutungen hatte. Wir fuhren am nächsten Tag zum Arzt, der dann auch die Diagnose gestellt hat. Einige Frauen berichten auch, dass sie Bauchschmerzen hatten, aber bei mir war das nicht so. Ganz selten kann es vorkommen, dass die Schmerzen heftig werden, da geht man dann aber schon freiwillig zum Arzt.

Ganz oft kommt es vor, dass ein Windei auch von alleine einfach abgeht, ohne dass nachgeholfen werden muss. Etwa jede 20. Schwangerschaft ist ein Windei, davon bekommt aber gut die Hälfte aller Schwangeren gar nichts mit, weil die Periode etwas zu spät kommt und das Windei dann einfach abgeht. War bei mir leider nicht so, ich musste behandelt werden.

Wie wird ein Windei „behandelt“?

Wenn das Windei nicht von selbst abgeht, gibt es im Prinzip drei Wege: warten (es geht meistens von allein ab), Medikamente oder Ausschabung. Bei den ersten beiden Varianten kann es vorkommen, dass nicht die gesamte Fruchthöhle abgeht und trotzdem ausgeschabt werden muss.

Ich habe mich gleich für eine Ausschabung entschieden, da ich sicher gehen wollte, dass alles raus kommt. Dummerweise haben die Ärzte im Schwabinger Krankenhaus in München ordentlich gepfuscht und die Hälfte vergessen. Zum Glück ging der Rest von alleine ab und ich musste nicht noch einmal zur Ausschabung.

Ist das Windei vollständig weg, wird der HCG-Wert noch solange geprüft, bis er wieder im Normalbereich ist. Danach ist im Prinzip alles wieder so wie am Anfang.

Und wie geht es weiter?

Ich hatte exakt vier Wochen nach der Ausschabung wieder meine Periode, mein Zyklus liegt seither bei 24 – 26 Tagen. Leider habe ich seit dem Eingriff keinen Eisprung mehr. Wobei ich sagen muss, dass das nichts mit der Ausschabung zu tun haben muss. Ich habe nämlich etwa 12 Jahre die Pille genommen, davon etwa 4 Jahre durch, ohne Perioden-Pause. Nach dem Absetzen der Pille bin ich sofort im ersten Zyklus schwanger geworden. Es kann durchaus sein, dass mein Körper einfach völlig von der Rolle ist. Ich befinde mich jetzt in der Behandlung bei meiner Frauenärztin und bin gespannt, wie es weitergeht.

Fazit

Ein Windei ist nichts Seltenes, es passiert oft. Es ist eine Fehlgeburt und es tut weh. Ich kann nur jeder Frau empfehlen, darüber zu sprechen. Vor allem mit dem Partner und dem näheren Umfeld. Ich habe mir ein Jahr lang selbst in die Tasche gelogen und immer behauptet, das sei alles nicht so schlimm. Man kann aber so mit einem Windei oder auch einer Fehlgeburt nicht abschließen. Man muss reden.

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